DR Kongo: Selbst für Gerechtigkeit sorgenNovember 2011

Flory's organisation, Foundation Chirezi, holds a peace eduation seminar in Kiliba, DR Congo

Der östliche Teil des Kongos ist eine der fragilsten Regionen der Erde. Mehr als 2 Millionen Menschen wurden als direkte Folge der zahlreichen Kriege seit 1996 zu Flüchtlingen. Die nun zurückkehrenden Menschen finden ihre Häuser oder Ländereien häufig von Fremden besetzt vor. Der ständige Flüchtlingsstrom könnte so die hart erarbeitete Stabilität gefährden und eine Rückkehr zu Gewalt verursachen. Heimatvertriebene können in ländlichen Subsistenzwirtschaften wegen ihres Landbedarfs oft Unruhe herbeiführen.

Mama Kabibi ist 78 Jahre alt. Sie hat mitansehen müssen, wie ihre Kinder eines nach dem anderen in Kämpfen oder durch Krankheit starb. Alleine konnte sie ihr Land nicht verteidigen und war hilflos, als ein Ex-Soldat sie aus ihrem Haus und von ihrer einzigen Nahrungsquelle – ihrem Maniokfeld – vertrieb. Sie wandte sich an die Behörden, doch die antworteten auf ihre Anfragen nicht.

Gerechtigkeit ist in dieser Region eine Mangelware, Gerichtsprozesse sind teuer und langsam. Ein Anwalt vor Ort erzählte Friedensttifter Flory Kazingufu, dass von 2.000 Fällen, die den Gerichten im letzten Jahr vorgelegt wurden, nur acht gelöst wurden. Verzweifelte, verarmte Dorfbewohner können sich oft nicht einmal leisten, ihren Fall vor ein Gericht bringen.

In dieser Situation gründete Flory ein schnelles und für die Dorfbewohner bezahlbares System von Dorfgerichten, welche mit Freiwilligen besetzt sind und auf Traditionen basieren.

Seine Organisation, Chirezi, hat ein Team von neutralen Beobachtern trainiert, die alle Fälle verwalten. Das Ergebnis ist eine Anlaufstelle für die Menschen vor Ort, die es ihnen erlaubt, ihre Streitigkeiten kostenlos lösen zu lassen.

Diese Gerichte geben Leuten einen schnellen, effektiven Zugang zu Gerechtigkeit, den sie andernorts nicht bekommen – Flory Kazingufu

Mama Kabibi kam diesen Februar zu den freiwilligen Richtern . Diese begannen sofort, ihren Fall zu bearbeiten. Nach nur zwei Anhörungen stimmte der Ex-Soldat zu, Mama Kabibi ihr Land zurückzugeben. Nun kann sie wieder ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen und die Zukunft positiv angehen.

Dieser Fall zeigt den unmittelbaren Einfluss, den dieses gerade erst begonnene Projekt der Dorfgerichte auf das Leben der Schwachen in der Region hat. Florys drei Gerichte decken 32 Dörfer ab und arbeiten somit zum Wohl von fast ein Viertel Million Menschen. Und weil sie traditionelle Strukturen nutzen und von Menschen vor Ort geleitet sind, werden diese Gerichte auch in Zukunft tragfähig sein.

Spende jetzt um Menschen in der Demokratischen Republik Kongo Zugang zu Gerechtigkeit zu geben.