ATHWAAS & Yakjah, Kaschmir
Neues aus dem Projekt
Feb 2012 Grenzen überwinden in Kaschmir
Nach den Unruhen von 2010, die mehr als 100 Menschenleben kosteten, gibt es in diesem Jahr Zeichen der Hoffnung auf eine verbesserte Beziehung zwischen den Regierungen von Indien und Pakistan. Abseits der Verhandlungstische baut unsere Friedensstifterin Ashima Kaul auf diese Stimmung, um das Verständnis zwischen den geteilten Gesellschaften von Jammu und Kaschmir zu fördern.
In einer Reihe von Workshops hat Ashima junge Menschen aus verschiedenen Teilen des Bundesstaates zusammengeführt, darunter Muslime, Hindus und Buddhisten aus unterschiedlichen Ethnien. Einige reisten acht Stunden, um die Workshops zu erreichen, andere hatten ihren Heimatbezirk nie zuvor verlassen. Sie versammelten sich in der malerischen Stadt Bhaderwah im zerklüfteten Himalaya, einst eine Hochburg der Militanten.
Diese jungen Menschen gehören zu einer Generation, die umgeben von Konflikten aufgewachsen ist.
Sie kannten nur die Schrecken und Verluste des Krieges, den Hass und die Kümmernis, die die Gewalt zwischen den Volksgruppen verlängern. In den Unruhen von 2010 waren die Mehrzahl der Verwundeten und Toten junge Menschen.
Die Teilnehmerin Arunima Sehgal, eine Hindu aus Jammu, war während der Unruhen aus ihrer Heimat geflohen und vor dem Workshop sehr nervös:
Wir hatten große Bedenken, Muslime aus Kaschmir zu treffen. Wie würden sie auf uns reagieren? Würden wir mit ihnen sprechen oder nicht?
Ashima begann mit Diskussionen über die Ursachen und Geschichte des Konflikts. Sie bemerkte, wie die Wahrnehmung der Beteiligten sich veränderte:
Es dämmerte ihnen, dass es die Möglichkeit gab zu lernen – oder vielmehr die Konditionierung des Bewusstseins zu verlernen. Ich sah wie die Bilder ihrer Vorstellung, die sie über Jahre hinweg aufgebaut hatten, in jedem von ihnen zusammenfielen.
Die Teilnehmer machten bei Theater-Workshops mit, wodurch sie emotionale und politische Probleme sowie ethnische Stereotypen und Geschlechterrollen untersuchen konnten, was in extremistischen Gebieten oft nicht möglich ist.
Am Ende der Sitzungen hatte Arunima entdeckt, dass alle ihre Altersgenossen “gemeinsame Hoffnungen, gemeinsame Ziele, eine gemeinsame Sehnsucht nach einer besseren, friedlichen Zukunft teilen. Der Workshop hat meine Lebensperspektive völlig verändert.” Sie kehrte nach Jammu zurück und begann eigene Friedensprojekte – darunter eine Mahnwache für junge Demonstranten, die letztes Jahr gestorben waren.
Der Beobachter Adi Bhaduri meinte:
Ich weiß, dass die Gesellschaften auf beiden Seiten der Trennungslinie [in Kaschmir] mit der Leugnung des Schmerzes, der Verluste und der Enteignungen der jeweils anderen Seite gelebt haben. Deshalb ist es ein riesiger Schritt nach vorne im Friedens- und Heilungsprozess, wenn man sieht, wie innerhalb eines Tages Mitglieder beider Volksgruppen das Leiden der jeweils anderen anerkennen und sogar verinnerlichen.
Spenden Sie, um die gespaltene Gesellschaft in Kaschmir zu vereinen.
Jun 2011 Ein sicherer Raum für Frauen in Kaschmir
Letztes Jahr gab es erneut Unruhen in Kaschmir, als Proteste ausbrachen. Aber die lokale Organisation Athwaas setzte ihre äußerst wichtige Friedensarbeit unverwandt fort.
Im Juni 2010 wurde eine vollständige Ausgangssperre verhängt und es gab Berichte, dass die Armee das Feuer auf Versammlungen auf offener Straße eröffnete. Fünf Monate lang beherrschten Straßenschlachten, Brandstiftung und Zerstörung das Tal. Über 100 Menschen verloren ihr Leben, die meisten davon junge Leute. Die Arbeit von Athwaas war nie wichtiger als in dieser Situation.
Die Samnabals – ein sicherer Raum für Frauen
Frauen trugen in der Vergangenheit die Hauptlast der Gewalt in Kaschmir – Athwaas wurde gegründet, um diese Frauen von Opfern in Gestalter zu verwandeln, die Frieden in ihre Gemeinden bringen können. In den Flüchtlingslagern und Elendsgebieten von Jammu und Kaschmir hat Athwaas den Frauen sicheren Raum geboten – Raum, um sich zu treffen, zu reden und alle Angelegenheiten frei zu diskutieren. Diese Räume, „Samanbals“ genannt, wuchsen und erfüllten die Bedürfnisse der Frauen, wodurch sie die Fähigkeit erhielten, gemeinsam die Initiative für ihre Gemeinden zu ergreifen.
Frauen in Aktion
In den Lagern von Jammu leben ganze Familien zusammengepfercht in einem Raum und Spannungen können leicht entstehen. Häusliche Gewalt tritt mit erschreckender Regelmäßigkeit auf. Die Frauen der Samanbals haben gemeinsam Maßnahmen ergriffen, um den Missbrauch zu beenden. Ihre Methode ist einfach, aber wirksam. Wenn eine Frau von körperlicher Gewalt bedroht ist, marschieren die Frauen des Samanbal gemeinsam zu ihrem Haus und klopfen an die Tür. Ihr Besuch ist freundlich, aber die Aktion zeigt, dass Gewalt gegen Frauen nicht akzeptabel ist, und oft zeigt sich, dass diese simple Aktion die Situation entschärft und den Übergriff verhindert.
Alle Samanbals kombinieren die Vermittlung praktischer Fähigkeiten mit der Entwicklung eines Verständnisses für den Konflikt im Allgemeinen; dabei zerstören sie Mythen und Stereotypen über die anderen Bevölkerungsgruppen.
Dies sind nur einige ihrer Leistungen:
- In Bijebehara entschlossen die Frauen sich, das Bewusstsein für die Gesundheitsprogramme der Regierung zu erhöhen, die lebensrettende Dienste anbieten. Diese Programme beinhalteten Polioimpfungen, Blutbanken und Witwenunterstützung. Die Samanbals erreichten über 200 Frauen.
- Das Samanbal Zoohama bildete 30 Frauen zu “Barfussberaterinnen” aus – damit sie von Tür zu Tür gehen und anderen Frauen in ihrer Gemeinde Traumaberatung und grundlegende Gesundheitsvorsorge anbieten.
- In Leh, Purrkho und Kraalpora konzentrierten sich die Samanbals darauf, die Frauen durch wirtschaftliche Tätigkeiten zusammenzubringen. Die Frauen lernten Fähigkeiten wie Stricken und Sticken um Waren herzustellen, die sie auf dem Markt verkaufen können. Diese sicheren Räume haben ehemals schüchterne Frauen in kompetente Führungs- und Unternehmerpersönlichkeiten verwandelt.
Der nächste Schritt
Die Samanbals sind jetzt größtenteils Selbstläufer und Athwaas konzentriert sich darauf, ihren Einfluss zu erhöhen. Mit den Samanbals hat die Organisation ein Basisnetzwerk des Friedens und der Versöhnung geschaffen – jetzt lautet ihre Aufgabe, eine Kultur des Friedens in der gesamten Gesellschaft aufzubauen. Um das zu erreichen, hat sie religiöse Führer, Akademiker, Schriftsteller, Wirtschaftsführer und Medien zusammengebracht. Gemeinsam erarbeiten sie einen Aktionsplan, wie die Bevölkerungsgruppen zusammenkommen können, um ihr Leben neu aufzubauen. Sie wollen die Friedenserziehung verbreiten, um Musik und Kunst für das Wiederaufleben des kulturellen Erbes zu nutzen sowie die Schritte zu identifizieren, die die Zivilgesellschaft in Angriff nehmen muss. Einer dieser Schritte ist das Sammeln von mündlichen Berichten – um alle Seiten des Konflikts zu zeigen und vom Opfer-Täter-Denken wegzukommen. Sie arbeiten mit Schriftstellern zusammen, um diese Berichte in Geschichten für Kinder umzuwandeln – damit diese nicht mit der Last des Konfliktes aufwachsen müssen.
Wie wir an den Unruhen des vergangenen Jahres sehen konnten ist es äußerst notwendig, die Vorstellung von Gewalt als legitimes politisches Werkzeug zu ändern. Athwaas ist einzigartig darin, Menschen mit Einfluss zusammenzubringen sowie Mythen und Vorurteile, die die Gesellschaft weiterhin spalten, in Frage zu stellen.
Nur aufgrund von regelmäßigen monatlichen Spenden kann Athwaas den Frauen, die Dekaden der Gewalt erlebt haben, diese lebensrettende Unterstützung bieten. Spenden Sie noch heute und helfen Sie den Frauen in Kaschmir, eine neue Zukunft ohne Gewalt aufzubauen.
Feb 2011 Lehrerausbildung beginnt in Kaschmir
Im Dezember begann Ashima Kaul, unsere Friedensstifterin vor Ort, ihr Programm der Ausbildung in Konfliktlösung für Lehrer, indem sie Schwerpunktgruppen mit mehr als 90 Lehrerinnen und Lehrern in ganz Kaschmir bildete. Zusammen entwerfen sie einen Ausbildungsplan, um den größtmöglichen Einfluss auf die Schülerinnen und Schüler zu haben, die sie ausbilden.
Dank der Unterstützung von Peace Direct ist Ashima in der Lage, das Projekt mit 15 Lehrerausbildern und vier Schulen zu steuern. Sie hat bereits Unterstützung von der Regierung und einer großen Organisation erhalten, und wenn sie erst einmal die Wirksamkeit des Modells bewiesen hat, wird sie mehr Lehrer und Schulen miteinbeziehen können.
Während der Unruhen, die Kaschmir 2010 heimsuchten, waren vor allem die jungen Leute inmitten der Gewalt gefangen – und bildeten die Mehrheit der über 100 Menschen, die ihr Leben verloren. Ashimas Arbeit fordert die Wahrnehmung der jungen Menschen gegenüber Gewalt heraus und zeigt ihnen einen Weg, ihre Stimme ohne Gewaltanwendung zu nutzen.
Aug 2010 Hoffnung in die neue Generation
Die letzten Wochen waren äußerst schwierig in Kaschmir. Über Srinagar ist seit Anfang Juli eine unbegrenzte Ausgangssperre verhängt worden, und Aufruhr und Gewalt haben die Gesellschaft getrübt.
“Die Situation hier ist extrem schlecht. Kaschmir hat die letzten zwei Monate gebrannt. Alle Religionen sind tief polarisiert. Der Konflikt wird komplexer“ - Ashima
Letzte Woche endeten massive Straßenproteste tragisch, als sieben Menschen von der Polizei getötet und 250 verletzt wurden. Der Aufruhr kam nur zwei Wochen bevor Springfluten das Tal heimsuchten, die mindestens 85 Menschen töteten und weitere 340 verletzten. Die Überschwemmung hat Straßen und Telefonmasten ruiniert, Massenpanik und Konfusion brachen aus.
Ashima hat uns erzählt, dass junge Menschen nicht den Aufrufen zur Ruhe folgen, sondern von Haus zu Haus ziehen und die Menschen zwingen, an den Demonstrationen teilzunehmen. Dadurch, dass die Jugendlichen das Paramilitär provozieren, steigt die Zahl der Todesopfer und der Kreislauf der Gewalt eskaliert weiter; aber Ashima ist fest entschlossen, durch ihr Arbeit mit Frauen und jungen Menschen diesen Kreislauf zu durchbrechen und den Menschen zu helfen, ein Katalysator für Veränderungen zu sein.
“Die Zukunft ist sehr schwierig, aber die Hoffnung liegt in den Frauen und Jugendlichen – wenn Veränderung möglich ist, dann durch sie.” - Ashima
Die Ausgangssperre macht es Ashima schwer, sich frei zu bewegen, aber sie hat sie nicht davon abgehalten, sich auf ihr Jugendprojekt ‚Yakjah’ zu konzentrieren. Das bedeutet „Zusammensein“ auf Kaschmiri, und die Gruppe glaubt daran, dass es in der jungen Generation Hoffnung gibt. Sie mahnt junge Köpfe, darüber nachzudenken, wie man eine Kultur des Friedens, der Gewaltfreiheit und der Koexistenz schaffen kann.
“Eins ist sicher – die Jugend ist bereit für Veränderungen” - Ashima.
Ashima bleibt hoffnungsvoll. Nächste Woche bringt sie eine Gruppe von 12 jungen Leuten, die an Multikulturalität und Koexistenz glauben, zu einem Treffen mit religiösen Führern und den Medien, um einen Weg zu finden, wie ihreBotschaft über die Aufrufe zur Gewalt hinweg gehört werden kann.
In dieser schweren Zeit hat Ashima sich auf Jugendgruppen in ländlichen Gebieten konzentriert, in Regionen, wo militante Gruppen drohen, tiefreligiöse Ansichten in Gewalt umzusetzen. Niemand nimmt sich dieser radikalen Jugendlichen an oder bietet sich als kritischer Gesprächspartner für ihren Glauben und ihre Hoffnungen an. Ashima glaubt, dass Yakjah diesen Gruppen einen Weg bieten könnte, ohne Gewalt wahrgenommen zu werden.
In Ashimas Händen ist Ihre Spende eine Unterstützung für junge Menschen, die an ein friedliches Zusammenleben in diesen schweren Zeiten glauben, und ich kann Ihnen nicht genug danken für Ihre fortgesetzte Unterstützung.
“Geduld und Ausdauer sind der einzige Weg nach Vorn. Diese Schritte sind klein, aber sie sind dennoch Schritte.” - Ashima.
Oct 2009 Frauen im Friedensprozess in Kaschmir
Srinagar, 27. Oktober
Der Premierminister von Indien, Dr. Manmohan Singh, hat alle politischen Parteien und Gruppen inklusive der Separatistenführer eingeladen, damit zu beginnen, eine gemeinsame Lösung für den Frieden in Jammu und Kaschmir zu sondieren. Der Premierminister hat jedoch wieder einmal die Stimmen von 50 Prozent der Bevölkerung aus dem Prozess ausgeschlossen.
Wir, die Mitglieder von Athwaas – einem Bündnis von Frauen aus Jammu, Kaschmir und Ladakh – begrüßen und unterstützen die Initiative, aber wir bitten den Herrn Premierminister dringend darum, die Sichtweisen, Einblicke und das Verständnis von Frauen in den Dialogprozess mit einzubeziehen, um eine lang anhaltende, kreative und nachhaltige Lösung zu sichern.
In den vergangenen zwanzig Jahren politischen Aufruhrs und fortgesetzter Gewalt waren es die Frauen, die das Gerüst der Gesellschaft, der Familien und der Gemeinden aufrecht erhalten haben. Sie haben Gewalt als Mittel zur Erreichung politischer Ziele abgelehnt und den Gegnern die Hände zum Wiederaufbau menschlicher Beziehungen gereicht.
Athwaas wird dem Premierminister während seines zweitägigen Besuchs in Kaschmir ein Memorandum überreichen, das fordert, die Frauen in den Dialog mit einzubeziehen.
Athwaas arbeitet seit dem Jahr 2000 an der Basis mit zivilgesellschaftlichen Gruppen. Wir arbeiten über regionale, religiöse und ethnische Grenzen hinweg für weibliche Solidarität, indem wir sichere Orte für Frauen schaffen, um zusammenzukommen. Athwaas bemüht sich bei der Suche nach zukunftsfähigem Frieden in der Region weiterhin auch um die Zusammenarbeit mit Männern.
Ashima Kaul
Koordinatorin
Athwaas
Aug 2009 Neueste Nachrichten von Ashima in Kaschmir
„Es ist so einfach, Moslem oder Hindu in Kaschmir zu sein, aber es ist so hart, Kaschmiri zu sein.”
Athwaas wurde ins Leben gerufen, als es keinen Platz für Dialoge gab, keine zivilgesellschaftlichen Initiativen. Eine Gruppe von Frauen traute sich, zur jeweils anderen zu reisen und eine gemeinsame Grundlage zu schaffen. Menschen mit unterschiedlichen Konflikterfahrungen zeigten, dass sie zusammenfinden können.
Aber es gibt einige interne Trennlinien innerhalb von Athwaas, insbesondere darüber, wann und wie die Arbeit auf pakistanischer Seite begonnen werden kann. Fehlender Fortschritt auf politischer Ebene kann demoralisierend sein – es gab eine starke Wahlbeteiligung bei den letzten Wahlen, und die Menschen hatten große Hoffnungen in Bezug auf den neuen, 39 Jahre alten Chefminister, der 60 Prozent der Stimmen erhielt. Aber jetzt haben sie das Gefühl, er verbringt zu viel Zeit in Neu-Delhi (20 Reisen in sechs Monaten) – auf Kosten von Volksversammlungen in Kaschmir. Einige bei Athwaas denken, sie sollten sich nicht mit dem Staat einlassen, weil sie sein Herrschaftsvorrecht herausfordern wollen.
Die von Athwaas unterstützten Samanbals (Zentren für Versöhnung) sind jedoch in Fahrt gekommen. Es sind Frauen vom Land mit wenig Bildung, die sie vorantreiben und die so viel zu gewinnen haben, und deren Input das Gesetz gegen häusliche Gewalt beraten wird. Häusliche Gewalt ist die gemeinsame Sorge, und es sind Workshops über die kommende Wochen geplant. Samanbal-Freiräume haben den Frauen ermöglicht, sich über ihr Trauma und den heimischen und familiären Missbrauch zu äußern.
Samanbal-Freiräume haben besondere Energien freigesetzt und Frauen sichtbar verwandelt, ihren Teil an Mitgefühl, Einigkeit, Dazugehörigkeit und Koexistenz zu schaffen. Die Berichte der Frauen in den Samanbal-Workshops erzählen die wahre Geschichte häuslicher Gewalt. Ihr Zeugnis wird der Entwurfskommission helfen, ein ganzheitliches Gesetz gegen häusliche Gewalt zu formulieren diejenigen herauszufordern, die die Existenz häuslicher Gewalt leugnen.
Versöhnung wird aufgrund der politischen Situation immer schwieriger. Jeden Tag gibt es eine vollständige Schließung im Tal – die Lokalzeitung veröffentlicht sogar einen Kalender darüber, wann Sperren ausgerufen werden. Dann muss jeder gehorchen. Wie auch immer der Workshop über häusliche Gewalt weitergeht – er muss sich weiter nach Jammu bewegen.
Ashima Kaul
Athwaas
May 2009 Neue Hoffnung
„Viele Grüße!
Ich bin letzten Monat für unseren Samanbal-Workhop nach Kaschmir gefahren. Ich werde am 27. Mai wieder hinfahren. Das wird ein historischer Workshop sein, der Frauen von der Basis zusammenbringt, die nicht einmal die Sprache der anderen verstehen und die aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen des Staates kommen – Ladakh, Kaschmir und Jammu –, um über eine gemeinsame Sozial- und Menschenrechtsfrage zu beraten – häusliche Gewalt. Ich bin sehr begeistert darüber, denn genau darauf habe ich so viele Jahre lang hingearbeitet. Um eine politischere Rolle einzunehmen und indem wir eine Vorlage für eine Gesetz gegen häusliche Gewalt entwerfen, werden wir strukturelle Formen von Gewalt anstoßen und benennen, die unsichtbar und in das gesellschaftspolitische System eingebettet sind.
Mein Sohn Agastya hat mich bei diesem Besuch begleitet und an dem Workshop teilgenommen, und nach einer Abstimmung wählte die Gruppe tatsächlich einen Namen für das Samanbal, den Agastya ausgesucht hatte. Es heißt Navaasha (Nav- bedeutet Neu und Aasha- bedeutet Hoffnung. Es ist also Neue Hoffnung).
In Liebe,
Ashima”
Jan 2009 Wahlen
„In Jammu und Kaschmir haben Parlamentswahlen stattgefunden, und in den vergangenen vier Monaten haben wir Frauengruppen in der ganzen Region organisiert, die dafür gekämpft haben, zu einer Reihe von Themen angehört zu werden, inklusive häuslicher Gewalt. Die Wahlen waren ein sehr langgezogener Prozess, der sich über sieben Phasen hinzog! Es dauerte drei Monate, alle Ergebnisse einzusammeln und die neue Regierung zu bilden.
Der gesamte Zeitraum der letzten vier Monate bis zu den Wahlen und Ergebnissen war äußerst herausfordernd, mit Ausgangssperren, Schließungen und Protesten. Aber trotz des Boykott-Aufrufs der Separatisten mit ihren einschüchternden Methoden, Menschen zum Boykott zu zwingen, haben letztendlich (im Durchschnitt) fast 64 Prozent gewählt. Das gibt Hoffnung, Ermutigung und Inspiration für Menschen wie uns, die an der Basis daran arbeiten, Räume für Dialog, Demokratie, Pluralismus und Versöhnung zu schaffen. Das Chaos, die Gewalt und die Unsicherheit während der Wahlen haben den Raum, in dem Menschen, insbesondere Frauen, sich ausdrücken und artikulieren können, völlig eingeengt. Tatsächlich hat die normale Routine, mit regelmäßig geschlossenen Büros, Erziehungsanstalten und Märkten, es den Leuten äußerst schwer gemacht, mit irgendeiner Arbeit weiterzumachen. Jetzt, mit der gegenwärtigen demokratischen Regierung, werden hoffentlich die Stimmen der Stimmlosen gehört, und die Leute werden eine Gelegenheit bekommen, sich mit Fragen der Herrschaft, Entwicklung und Sicherheit zu befassen. Diesbezüglich müssen unsere Samanbals eine entscheidende Rolle spielen. Ich freue mich darauf, die bestehenden Räume mit Energie zu versorgen und somit den Aufbau einer sicheren und stabilen Region fortzuführen.“
Die Zukunft
„Unsere Aufgabe ist es jetzt, sich darauf zu konzentrieren, dass Netzwerk, dass wir durch die Samanbals aufgebaut haben, dazu zu nutzen, für politischen Wandel zu kämpfen, eine eigene, starke Stimme für den Frieden zu werden, und diese Stimme über alle Regionen Kaschmirs auszubreiten, auf beiden Seiten der Trennungslinie.
Unser herzlicher Dank geht an Alle, die unsere Arbeit unterstützen, das bedeutet uns so viel. Menschen auf der anderen Seite der Welt zu haben, die unsere Initiative unterstützen, ist unglaublich, aufmunternd und eine Lebensader der Hoffnung. Ich danke Ihnen so sehr.“
Jan 2009 Interview mit Ashima
Hier gibt Ashima uns ihre Einblicke auf die Situation vor Ort und ihre Prioritäten für den Frieden
Warum sind Sie Friedensarbeiterin geworden?
„Ich wurde Friedensarbeiterin, um Beziehungen grundsätzlichen wiederaufzubauen. Ich war äußerst schmerzlich berührt vom Auseinanderfallen von Gemeinschaften, die vorher mit einem Sinn für Toleranz und Akzeptanz von Unterschieden zusammengelebt haben. Wir Kaschmiris sagten nicht, dass wir alle gleich sind, wir akzeptierten die Tatsache, dass wir verschieden sind und wir lebten zusammen. Aber all das zerbrach, als die Gewehre kamen. Für mich war das der betrüblichste Teil. Dieser Konflikt wird als Freiheitskampf beschrieben, aber beim Kämpfen hat jeder seine Freiheit verloren. Wir fürchten uns so sehr voreinander, es gibt Argwohn, Terror, Misstrauen, also wo ist die Freiheit? Wahre Freiheit zurückzubringen, Räume zu schaffen, für Menschen und besonders für Frauen, um herauszukommen und ihre Sorgen, Themen, Erfahrungen zu äußern – ich glaube, das ist es, warum ich Friedensarbeiterin geworden bin.
In Kaschmir verfolgen die Menschen ihre Agenda aus abgeschotteten Bereichen heraus. Sie tun das begründet auf ihrem eigenen Gefühl für Verfolgung, Opfertum oder Ungerechtigkeit. Ich wollte Dinge schon immer anders machen. Ich wollte eine umfassende Agenda schaffen, die alle Stimmen zusammenbringt.“
Was treibt Sie an?
“Was mich antreibt und motiviert ist der Prozess selbst. Es ist so faszinierend und fesselnd. Es ist Leben darin und es ist der Geist des Prozesses, der mich motiviert. Ich bin neugierig, ihn sich entfalten zu sehen. Zu sehen, was vor uns liegt. Jedesmal wenn ich mich pessimistisch fühle, niedergeschlagen, ist es die Neugier des „wenn wir dies tun, dann lass uns mal sehen“ das mich weitermachen lässt.
Und das gesamte Geheimnis der Menschen an sich. Wenn man Menschen, die getrennt sind, die verletzt sind, die wütend sind, in einem gemeinsamen Raum zusammenbringt, und in ein paar Stunden, ein paar Tagen, sieht, wie ihr Verhältnis sich verändert, sobald es Raum und Zeit zum Teilen und Weinen gibt. Wenn sie mit ihrer Wut durch sind, entfaltet sich ein wunderbares Verhältnis. Das ist so motivierend für mich, und ich glaube, diese ganzen kleinen Initiativen sind entscheidend für den größeren Prozess der Lösung der Kaschmir-Frage.“
Welche Veränderung haben Sie den Frauen in Kaschmir gebracht?
„Es gibt so viele Arten zu sehen, wie Veränderungen in den Frauen der Samanbals geschehen, von ihrer emotionalen Stärkung bis zur psychologischen Heilung. Einfach nur die Möglichkeit zu haben, sich mit Frauen hinzusetzen und ihnen zuzuhören hat eine erstaunliche Wirkung gehabt. Das ist sehr wichtig in Konfliktregionen, bei Vertreibungserfahrungen, wo es ein tiefes Trauma gibt, wo es tiefen Schmerz gibt und Verletzungen, wenn Menschen keine Plattform haben, sich zu äußern; ihnen einfach zuzuhören war ein Hauptbeitrag. Aber ich weiß dass Zuhören alleine nicht genug ist. Man muss mehr tun als das tun, also nutzen wir die Samanbals als Orte, wo Frauen Fähigkeiten erlernen können, um einen Lebensunterhalt zu verdienen.
Eine der größten Veränderungen, die wir bewirken, ist das Freiheitsgefühl, das Frauen erfahren wenn sie zu den Samanbals kommen. In Gewaltsituationen oder abgeschlossenen Lagern einen öffentlichen Raum zu haben, in dem man zusammenkommen und den man als seinen eigenen beanspruchen kann, und sich für diesen Raum verantwortlich zu fühlen ist sehr bestärkend.
Kaschmiri-Frauen sind stark und belastbar. Sie haben auf so viele Arten zur Friedensbildung beigetragen. Vom Verlassen ihrer Häuser, dem Wählen, bis hin zu dieser Hinterhofkultur, wo sie ihre kleinen Hinterhöfe in Friedensinitiativen umgewandelt haben, indem sie ihre Familie so beeinflusst haben, dass die Menschen die Gewalt ablehnten und den Dialogprozess unterstützten.“
Warum sind Frauen gute Friedensarbeiterinnen?
„Frauen haben eine angeborene Heilkraft, sie strecken die Hand aus und erforschen alternative Pfade und suchen Lösungen. Für Frauen ist Frieden ein persönliches Bestreben, was auf dem Spiel steht ist die Zukunft ihrer Kinder. Vor allem haben Frauen keine Clan- oder Stammesloyalitäten wie Männer, somit können wir an das Wohl aller Menschen denken.“
Welche Frauen haben Sie inspiriert?
“Zwei Frauen aus verschiedenen Samanbals inspirieren mich nach wie vor so sehr. Shahzada in Dardpora verlor ihren kämpfenden Mann in den frühen Neunzigern und hat sich seitdem bemüht, ihre Familie zusammenzuhalten. Als wir den Samanbal in Dardpora begannen hat sie dafür gesorgt, dass die Idee von Frauen aus dem ganzen Dorf angenommen wurde. Viele waren Witwen, die ihre Ehemänner an den Kampf und ihre Söhne an die Rebellen verloren hatten. Es gab viel Bitterkeit und heftige Konkurrenz um Ressourcen. Shahzada übernahm die Führung bei der Verantwortung für den Samanbal und organisierte eine Ausbildung als Spinnerin, so dass die Frauen ein Einkommen erzielen konnten, und sie ist jetzt eine Ausbilderin und lehrt andere Frauen wie man spinnt.
Auf die gleiche Weise forderte Anjali Suri, die im Lager Purkho lebt, die Männer, die die Lagerpolitik dominierten, heraus, um den Fortbestand des Samanbals zu sichern, und motivierte andere Frauen, der Gruppe beizutreten. Als wir uns entschieden, die Hindu-Frauen aus dem Lager zurück in ihre Heimat zu bringen, spielte Anjali eine entscheidende Rolle dabei, die Gemeinde zu überzeugen, dass es wichtig ist, die moslemischen Frauen zu treffen.
Unsere Initiativen an der Basis hätten nie Fuß fassen können ohne die Ausdauer und Unterstützung von Frauen wie Shahzada und Anjali. Ich bewundere ihren Mut. Trotz persönlicher Tragödien haben sie die Stärke, hervorzutreten und den Frieden aufzubauen.“
Was können Sie in ihrer Rolle als Frau beitragen?
“Ich plane sehr oft Aktionen, um Wandel auf der politischen Ebene zu beeinflussen. Wenn das allerdings vorher den Leuten bekannt wäre könnte es als Bedrohung für diejenigen mit anderen Ansichten verstanden werden. Es gibt immer weniger Toleranz in unserer Gesellschaft, so dass meine Aktionen vereitelt wären. Also tue ich oft so, als wäre ich eine einfache Frau, die einfache Frauenarbeit erledigt, und niemand belästigt mich. Ich sage das mit einem Lachen, denn es macht wirklich Spaß als dumme Frau daherzukommen, wenn man eigentlich ernsthafte, sogar rücksichtslose Anstrengungen unternimmt, seine Vorstellungen in die Tat umzusetzen!“
Was sind Ihre Prioritäten für die Zukunft?
„Wir haben ein riesiges Netzwerk von Frauen in der ganzen Zivilgesellschaft geschaffen. Wir haben aus einzelnen Stimmen viele gemacht, einen Zusammenhang gebracht in die Probleme, denen wir gegenüberstehen, und die Forderungen für die Zukunft. Jetzt ist die Aufgabe, diese kritische Masse zu nehmen und aus ihr eine Kraft zu formen, um die Politik zu beeinflussen, um unsere Stimme ins Zentrum des Friedensprozesses zu bringen. Die Samanbals haben die Grundlagen gelegt; wir haben jetzt ein starkes und riesiges Netzwerk, aus dem wir eine politische Bewegung für den Frieden aufbauen werden.“
Sep 2008 Politischen Wandel bewirken
Häusliche Gewalt
„Im letzten Monat haben wir unser Samanbal-Netzwerk mobilisiert, sich für die Inkraftsetzung eines Frauen-Gesetzes im Regionalparlament einzusetzen. Die meisten Staaten in Indien haben dem Gesetz gegen häusliche Gewalt zugestimmt, um Frauen gegen Gewalt zu schützen, aber die indisch kontrollierte Seite Kaschmirs hat das nicht getan, weil es hier immer Widerstand gegen Gesetzesänderungen gibt, die als „von außen“ kommend angesehen werden.
Wir möchten, dass das Samanbal-Netzwerk sich für dieses Thema einsetzt, um den Frauen zu zeigen, wie sie ihre Stimmen in der politischen Arena behaupten können, und sie auf den größeren Kampf vorbereiten. Wenn wir diese Schlacht gewinnen, werden die Frauen an die Macht ihrer Bewegung glauben. Das Problem der Gewalt gegen Frauen zieht sich durch alle Samanbals.
Das Gesetzentwurfskomitee zu dem ich, zusammen mit anderen Athwaas-Mitgliedern, gehöre, begegnet gewaltigem Widerstand von verschiedenen lokalen Gruppen und Teilen der Medien, die das Gefühl haben, dass das Gesetz „Frauen unnötigerweise mehr Macht geben“ wird. Sie fürchten, dies führt zum Auseinanderbrechen von Familien und lenkt Aufmerksamkeit von der „größeren“ Sache ab, angeführt von Männern, der Lösung der Kaschmir-Frage. Diese Gruppen, inklusive einigen Frauengruppen, behaupten, es gäbe „keine Gewalt innerhalb von Familien, und die Frauen, die das behaupten, beschädigen das Interesse der kaschmirischen Gesellschaft.“
Wir haben heftigen Widerstand von den Medien, anderen Organisationen der Zivilgesellschaft und sogar einigen Frauengruppen erfahren, die die Existenz häuslicher Gewalt in Kaschmir stark in Frage stellen. Es gibt die Befürchtung, dass unsere Idee von „außen“ gekommen ist und dass wir den Familienzusammenhalt in Kaschmir zerbrechen wollen. Mithilfe von Multimedia-Beweisen, Zeugenaussagen und Straßentheater waren wir in der Lage, die Oberhand in der öffentlichen Meinung zu gewinnen, und haben eine Debatte im Parlament erzwungen.
Jetzt führt das Parlament eine umfassende Begutachtung des Gesetzentwurfs durch, und unsere Samanbal-Mitglieder stehen an vorderster Front bei der Sicherstellung, dass die Stimmen von Frauen gehört werden. Wir sind so stolz, dass die Frauen jetzt Formen häuslicher Gewalt erkennen und benennen können. Wir sind optimistisch, dass die Gesetzesvorlage vor den Wahlen im November in Kraft tritt.“
Samanbal-Workshops
“Alle unsere Samanbal-Mitglieder arbeiten an den Themen Frauenrechte und häusliche Gewalt, denn diese Probleme sind eine gemeinsame Verbindung zwischen Frauen aus den drei Regionen Kaschmirs – die buddhistische Mehrheit in Ladakh, die moslemische Mehrheit im Kaschmir-Tal und die hinduistische Mehrheit. Diese Frauen kommen aus Regionen mit unterschiedlichen Kulturen, die alle auf unterschiedliche Weise vom Konflikt beeinflusst wurden, aber die Art, durch die sie Gewalt innerhalb ihrer eigenen Gemeinde erfahren haben, ist ähnlich. Um eine gemeinsame Basis zu finden, wird häusliche Gewalt das Leitmotiv, über das sie verbunden werden können, um ihre Probleme und Vorstellungen zu priorisieren.
Erzählungen über häusliche Gewalt kamen von den Frauen aus den Samanbals über Rollenspiele in Workshops zur Traumaverarbeitung zum Vorschein. In Kaschmir überschattet die politische Diskussion vollständig private Demütigungen und Angriffe auf die Würde. Die Stimmen der Frauen werden von größeren politischen Interessen überschwemmt. Dadurch tragen Frauen die doppelte Bürde, Opfer sowohl von politischer als auch häuslicher Gewalt zu sein.
Samanbal-Räume haben es den Frauen ermöglicht, ihr Trauma und ihren Missbrauch innerhalb von Heim und Familie laut auszusprechen. Samanbal-Räume haben besondere Energien freigesetzt und dadurch sichtbar Frauen verwandelt, der Kraft ihres Mitgefühls, ihrer Einheit, ihrer Dazugehörigkeit und ihres Zusammenlebens Geltung zu verschaffen.
Die Berichte von Frauen während der Samanbal-Workshops erzählen die wahre Geschichte häuslicher Gewalt. Ihr Zeugnis wird dem Entwurfsausschuss helfen, ein ganzheitliches Gesetz gegen häusliche Gewalt zu formulieren, und diejenigen herausfordern, die die Existenz häuslicher Gewalt leugnen.
November-Wahlen
“Aus dieser Erfahrung heraus haben wir beschlossen, eine politische Frauenversammlung zur Vorbereitung auf die Wahlen im November zu bilden. Alle Athwaas-Mitglieder treffen sich im August in Leh um zu diskutieren, wie wir unsere Agenda in das Herz der politischen Entscheidungen in Kaschmir einbringen können. Aus unseren Erfahrungen glauben wir stark, dass Frauen eine einzigartig andere Perspektive bzw. ein anderes Verständnis auf den Tisch bringen. Wenn wir unseren Fuß in die Tür kriegen, werden wir die politische Tagesordnung zum Kaschmirkonflikt verändern/umdefinieren und sicherlich auf eine realistische Lösung hinarbeiten, was unser letztendliches Ziel ist.
„Wir sitzen nicht länger als Opfer des Kaschmirkonflikts herum, wir werden ihn beenden.“ (Samanbal-Teilnehmerin)
In der Zwischenzeit, um den Schwung unseres politischen Aktivismus zu behalten, haben wir eine Kampagne angestoßen, die das Inkrafttreten eines Gesetzes zum „Recht auf Information“ in Kaschmir sichern soll. Das ist nützlich für die Samanbal-Mitglieder, um die Wahrheit darüber herauszufinden, was mit ihren Söhnen, Familien und Besitztümern passiert ist. Wir wissen, dass das ein harter Kampf werden wird, aber andere Staaten in Indien haben das Gesetz verabschiedet, und wir glauben, dass unsere Kampagne öffentliche Aufmerksamkeit erregen und den Willen zum Wandel schaffen kann.“
Jun 2008 Aus Teilung Einheit schaffen
Wir haben ein Treffen zwischen kaschmirischen Pandit-Frauen aus dem Flüchtlingslager Purkho und muslimischen Frauen aus den Orten, aus denen sie vertrieben wurden, abgehalten. Für die kaschmirischen Pandit-Frauen war es das erste Mal seit 17 Jahren, dass sie in das Tal zurückkehrten, in dem sie einst lebten. Wir wussten, dass das ein sehr schwieriges Treffen sein würde und hatten vorher Trauma-Bewältigungs-Workshops abgehalten, um die Frauen auf den gemeinsamen Workshop vorzubereiten.
Anfangs fanden die kaschmirischenn Pandit-Frauen es sehr schwer, Schmerz, Bitterkeit und Wut zu bewältigen, die sie fühlten, nachdem sie 1990 „gezwungen“ worden waren, ihre Heimat im Tal zu verlassen. Sie konnten „die herzliche Offenheit und das warme Willkommen’“ der muslimischen Frauen für sie nicht erwidern. Als eine der Pandit-Frauen sich zu den muslimischen Frauen setzte, machten die anderen Pandit-Frauen sogar sarkastische Bemerkungen über sie und mieden sie. „Jetzt hast du dich zu denen gesellt, die uns hinausgedrängt haben. Wir waren so alt wie sie, als wir weggehen mussten. Unsere Träume wurden zerstört“ sagten sie ihr.
Unfähig, die Trennung zwischen den beiden Gruppen zu ertragen, ging eines der jungen muslimischen Mädchen still zum Zimmer der Pandit-Frauen, die die Intitiative zum Kontakt mit den muslimischen Frauen ergriffen hatten, lieh sich ein Bindi (farbiger Punkt, der von Hindu-Frauen oft auf die Stirn geklebt wird), und klebte ihn auf ihre Stirn. Sie ging dann zur Pandit-Gruppe, setzte sich zu ihnen, und sagt mit einem breiten ansteckenden Lächeln: „Jetzt sehe ich genauso aus wie ihr. Jetzt gibt es keinen Unterschied mehr zwischen uns. Was auch immer ihr als Frauen erlitten habt, wir haben denselben Schmerz als Frauen erlitten.“ Die Geste des muslimischen Mädchens erweichte die Herzen der Pandit-Frauen und sie umarmten sie mit Tränen in den Augen.
In den nächsten zwei Tagen teilten alle Frauen ihre persönlichen Lebensgeschichten, und es gab eine sichtbare Veränderung in der Haltung und dem Verhalten, als sie gemeinsame Erfahrungen des Leidens, des Schmerzes und der Widerstandsfähigkeit entdeckten. Diese Intimität gab jeder von ihnen den Raum, die Position und den Status von Frauen innerhalb ihrer jeweiligen Gemeinschaft in Frage zu stellen. Unser nächste Schritt war, breitere politische Themen von Patriarchat, Sozialisationsprozessen sowie Frauen- und Menschenrechten einzuführen.
Mar 2008 Sechs neue Samanbals
“Seit November 2007 haben wir sechs neue Samanbals (Samanbal ist ein kaschmirisches Word und bedeutet (‘Versammlungsort’) ins Leben gerufen. Unsere Vision ist es, sichere und geschützte Räume für Frauen zu schaffen, in denen sie zusammenkommen, sich beteiligen, mitteilen und ausdrücken können und so von Opfern zu Veränderern werden.
Diese neuen Samanbals sind noch in der anfänglichen Gründungsphase, aber wir sind wirklich erfreut, wie unterschiedlich sie sind; wir haben Witwen in Dardpora, Lehrerinnen in Badgam, junge Frauen in Bijbehar, Binnenflüchtlinge in Purkha und Muthee und Kleinhändlerinnen in Leh. In jedem Samanbal suchten sich die Frauen eine gemeinsame Beschäftigung aus, diese soll wegen der hohen Armutsrate in der Region ein Einkommen schaffen. Sie planen und implementieren außerdem eine Selbsthilfestrategie, um in ihren Gemeinden Frieden zu schaffen.
Flüchtlingslager Purkhoo
Im Flüchtlingslager Purkhoo haben sich zwanzig Frauen, vertrieben aus verschiedenen Dörfern im Tal, zusammengetan, um ein Samanbal zu gründen. Das Lagerleben wird von Hass, Rache und männlicher Politik dominiert. Der Samanbal hat diesen Frauen einen sicheren Ort gegeben, wo sie ihre Erfahrungen teilen, nachdenken und sich gegenseitig zuhören können.
Die Frauen teilen ihre Fähigkeiten im Stricken, Schneiden, Zeichnen, Nähen und Teppichknüpfen. Ihr Ziel ist es, die Kunst des Strickens und des Teppichknüpfens zu perfektionieren, damit sie anfangen können, ihre Produkte zu verkaufen und finanziell unabhängig zu werden. Das Grundprinzip jedes Samanbals ist, Informationen/Erfahrungen zu teilen, den Heilungsprozess zu beginnen, und finanzielle Unabhängigkeit aufzubauen. Die Frauen werden dann befähigt, die großen Probleme, die die Region betreffen, und den umfassenderen Konflikt in Kaschmir in Angriff zu nehmen
‘Barfuß-Ratgeber’
In den ersten drei Monaten dieses Samanbals wurden zwanzig Gesundheitshelfer in Beratung und Traumabehandlung ausgebildet. Die Helfer wurden aus fünf Dörfern des Bezirks ausgewählt und werden auf die Bedürfnisse ihrer jeweiligen Gemeinde ausgerichtet sein und auch Beratungstraining weitergeben. Das letztendliche Ziel ist es, eine Truppe von ‚Barfuß-Ratgebern’ zu haben, die eine größtmögliche Zahl von Menschen im ganzen Bezirk erreichen können.


