Youth Alliance for Peace and Environment, Nepal
Neues aus dem Projekt
Jun 2011 Nepal: Öffentlicher Ruf nach Frieden
Nepal erkämpft sich nach zehn Jahren Bürgerkrieg den Frieden. Politischer Aufruhr und Manipulationen sind immer noch an der Tagesordnung; jetzt, wo die Menschen beginnen, ihr Leben wiederaufzubauen, brauchen die Opfer des Konflikts angemessene Entschädigungen und Gerechtigkeit, damit der Ruf nach Rache nicht die zerbrechliche Zukunft bedroht.
Die Regierung bietet den Opfern Entschädigungen, aber die Komplexität der politischen Situation führt dazu, dass Regierungsbeamte oft nur die Ansprüche ihrer Parteifreunde weiterleiten – dadurch entstehen weitere Kränkungen und Wut. Die lokale Organisation YAPE, die von unseren Friedensstiftern Bhoraj und Kishor geleitet wird, versucht, dem entgegenzuwirken – indem sie als unparteiischer Vermittler agiert, der seine Netzwerke dafür nutzt, Entschädigungen zu gewährleisten und denen, die sie benötigen, zukommen zu lassen.
Zur Feier des nepalesischen Neujahrs organisierten Bhoraj und Kishor eine Massenkundgebung für den Frieden im Zentrum der Stadt Kavre. Die Menschen strömten in Massen zur Kundgebung – Männer, Frauen und Kinder aus allen Bevölkerungsschichten. Es war ein deutliches Anzeichen für das Verlangen nach Wandel in der Gesellschaft.
Nach der Kundgebung veranstalteten Bhoraj und Kishor ein offenes Treffen für Opfer des Konflikts in ihrem Büro, um zu diskutieren, wie sie den Menschen bei der Sicherung ihrer Entschädigungen helfen könnten. Ihr Büro war voll von Menschen, und viele weitere standen draußen und versuchten hineinzukommen. Durch ihr Erscheinen bei YAPE engagieren sich diese Menschen, die so viel erlitten haben, für einen friedlichen Dialog statt zur Gewalt zurückzukehren.
2010 lösten Bhoraj und seine Kollegen 14 Konflikte – von Straßenkämpfen bis hin zu Angriffen auf Schulen. In diesem Jahr haben sie eine Friedens-Hotline eingerichtet – eine kostenlose Telefonnummer, unter der sie jederzeit erreichbar sind.
Sie können Bhoraj und seine Kollegen dabei unterstützen, mit ihrer Arbeit fortzufahren – damit sie bei Krisen jederzeit verfügbar sind. Spenden Sie noch heute und helfen sie, den Kreislauf der Gewalt zu brechen!
Apr 2011 Misshandlung eines 11 Jährigen in Polizeigewahrsam führt beinahe zu Unruhen
Der 11jährige Lakpa wurde für den Diebstahl eines Goldrings in Kaver, Nepalfestgenommen, nachdem ein Astrologe den Jungen als Schuldigen genannt hatte.
Im Polizeigewahrsam wurde Lakpa in einer über einstündigen Tortur von Polizeibeamten mit Stöcken und Rohren geschlagen sowie Elektroschocks ausgesetzt. Seine Eltern wurden gezwungen, ein Geständnis zu unterschreiben und mussten versprechen, das Geld für den Ring zurückzugeben. Lakpas Verletzungen waren so schwer, dass er nicht mehr gehen konnte.
Die Nachricht vom Vorgehen der Polizei machte schnell die Runde in der Stadt. Die Menschen waren wütend; sie gingen gegen die Polizei auf die Straße und die Lage wurde angespannt.
Einige der Einwohner brachten Lakpa zum Nahe gelegenen YAPE-Büro. Nachdem sie gehört hatten, was passiert war, traten die YAPE-Mitarbeiter schnell in Aktion. Sie organisierten eine Pressekonferenz und brachten das Jugendwohlfahrtskomitee des Bezirks Kavre, Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und verschiedener politischer Parteien sowie Einwohner der Stadt zusammen. YAPE bat die Polizei, in der Bezirkswache vor allen Betroffenen und Journalisten öffentliche Treffen abzuhalten.
Der Respekt, den YAPE in der Gemeinde genießt, sowie ihre weitreichenden Kontakte ermöglichten der Organisation, die Menschen mit dem größtmöglichen Einfluss auf die Polizei zusammenzuführen und den Konflikt schnell zu lösen. Kurz nachdem YAPE eingeschaltet wurde verpflichtete sich der stellvertretende Polizeichef, die verantwortlichen Beamten strafrechtlich zu verfolgen.
YAPEs rasche Intervention führte dazu, dass die Bevölkerung vor Ort nicht selbst die Dinge in die Hand nahm und verhinderte dadurch, dass eine potenziell explosive Situation außer Kontrolle geriet. Die Kosten dieser Intervention betrugen lediglich 250 Euro!
Lakpa wurde inzwischen zur medizinischen Behandlung nach Kathmandu gebracht während Menschenrechtsaktivisten Schritte in die Wege leiten, um die Schuldigen dieser Misshandlung der Justiz zu überstellen.
Feb 2011 Hotline für Frieden in Nepal: ein Update
Unser Partner YAPE in Nepal hat eine kostenlose “Hotline für Frieden” eingerichtet, so dass er immer für die Bevölkerung erreichbar ist. Das Leben in Nepal wird regelmäßig von Streiks und gewaltsamen Aufständen unterbrochen. YAPE kann eine Erfolgsgeschichte vorweisen, durch schnelles und erfolgreiches Reagieren Konflikte zu einem Ende zu bringen. Dank der Hotline wird die Organisation noch schneller und wirksamer als vorher reagieren können.
Mit der Unterstützung von Peace Direct war es YAPE möglich, die kostenlose Rufnummer einzurichten und seit Januar zu bewerben. Im letzten Jahr löste die ausschließlich von Freiwilligen geführte Organisation 14 Konflikte und bewahrte dadurch politische Aufstände vor der Eskalation, hielt Rebellen von der gewaltsamen Machtübernahme ab und ermöglichte Kindern, zur Schule zurückzukehren, nachdem diese angegriffen worden war.
Jan 2011 YAPE bringt Frieden und Ordnung nach Kavre, Nepal
Obwohl 2006 ein Friedensabkommen unterzeichnet wurde, gibt es im Herzen Nepals immer noch politische Spannungen. Im letzten Jahr erhielten 46 Beamte einen Brief von einer der letzten bewaffneten Gruppen, SJMM. In ihm wurde die Einsetzung eigener Männer ins Amt gefordert, notfalls mit Gewalt. Der Brief forderte die Beamten auf, unverzüglich ihre Stelle aufzugeben oder andernfalls die gewalttätigen Konsequenzen zu tragen.
46 verängstigte Beamte traten zurück.
Die örtliche Organisation YAPE hat sich zunehmend Respekt dafür erworben, Konflikte wie diesen zu einer friedlichen Lösung zu bringen – der Leiter der Bezirksregierung bat um ihre Intervention. Nach Feststellung der Faktenlage informierte der YAPE-Vertreter Bhojraj die Vereinten Nationen und die Nationale Menschenrechtskommission und kontaktierte dann die Medien. Bhojraj nahm auch telefonisch Kontakt mit der SJMM auf, und während der nächsten drei Tage verhandelte er darum, dass die Männer, die zum Rücktritt gezwungen worden waren, sich ohne Furcht vor oder Androhung von Gewalt im Bezirksamt treffen konnten. Das war der erste Schritt in einem Prozess der dazu führte, dass die Beamten ihre Rücktritte widerrufen konnten.
Als die SJMM merkte, dass die Beamten zusammenhielten und die Unterstützung der Medien hatten, teilte sie YAPE nach einer Woche mit, dass die 46 Männer ihre Rücktritte widerrufen und zur Arbeit zurückkehren können.
Es kostete YAPE weniger als 150 Euro die Gewaltdrohungen zu beenden sowie Frieden, Sicherheit und Ordnung in Kavre wiederherzustellen. Durch seine unschätzbaren Kenntnisse der Gegebenheiten vor Ort wusste YAPE, mit wem man wann wie sprechen musste. Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen mit den Medien nahmen SJMM die Möglichkeit, die Situation zu manipulieren, und YAPEs Kontakte auf nationaler sowie internationaler Ebene halfen, den nötigen Druck für eine friedliche Lösung aufzubauen.
Kishor von YAPE formulierte es so: “Wenn YAPE nicht interveniert hätte, hätten die Beamten Gewalt erfahren. Die öffentliche Verwaltung wäre zum Erliegen gekommen, und auch diese Situation hätte ungewollte Gewalt und Wut zwischen der Öffentlichkeit und den bewaffneten Gruppen erzeugt.”
Aug 2010 Nepal: eine Hotline für den Frieden
“YAPE ist eine wichtige unabhängige Organisation, und sie macht aus Kavre einen sichereren Ort zum Leben.” – Ein Einheimischer aus Kavre.
Es war ein unglaubliches Jahr für das „Jugendbündnis für Frieden und Umwelt“ (YAPE) in Nepal. Im dritten Jahr ihrer Finanzierung durch Peace Direct hat YAPE zehnmal durch den Rapid Response Fund („Schneller Reaktionsfonds“, RRF) interveniert, um örtliche Spannungen zu entschärfen und die Eskalation von Gewalt zu stoppen. Ihre Arbeit ist äußerst wichtig in einem Land, in dem ernsthafte und manchmal gewalttätige politische Konflikte immer noch an der Tagesordnung sind. Zwei von Fünf Menschen leben in Armut, und politische Instabilität ist eine weitere Herausforderung im Leben der einfachen Bürger, die unter Massenarbeitslosigkeit und Streiks zu leiden haben.
YAPE dient als Hotline für den Frieden – einfach zu erreichen und bereit zu handeln, sobald Gewalt droht. Der RRF ermöglicht YAPE unverzügliches Eingreifen, um Konflikte an der Wurzel zu beenden und Gemeinden beim Vorwärtskommen zu helfen. YAPE hat es Schulen ermöglicht, nach Angriffen wieder zu öffnen, und den Handel nach Blockaden wieder möglich gemacht. YAPES Repräsentant, Bhoraj, schlichtete eine Situation, in der ‚etliche Leute hätten sterben können’, indem er zwei Gemeinden überzeugte, ein schriftliches Versprechen zu unterzeichnen, dass sie in gegenseitiger Harmonie leben werden.
YAPE hat in der ganzen Gesellschaft Respekt erwirben, von der ärmsten Gemeinde bis hin zur Polizei, ortlichen Regierungen und der Armee. Die Botschaft hat sich verbreitet, und örtliche Gemeinschaften haben den Wert von YAPEs Arbeit erkannt und kontaktieren Bhoraj immer mehr, um seine Hilfe bei der Konfliktprävention in Anspruch zu nehmen.
Im vergangenen Jahr hat YAPE Beziehungen zur Regierung, zu Maoisten und zu UN-Behörden initiiert und ausgebaut sowie wichtige Netzwerke im Großteil der Region geknüpft. Die Organisation hat sich sowohl mit der Regierung als auch mit den Sicherheitskräften abgestimmt, die sich auf sie als unabhängige dritte Partei bei Meinungsverschiedenheiten verlassen haben.
Trotz der Unterzeichnung des Friedensabkommens 2006 kämpfen Maoisten und Regierung nach wie vor um die Zukunft Nepals. Der zehn Jahre alte Konflikt hat über 13.000 Menschenleben und die Heimat vieler mehr gefordert, und die Bedrohung einer Rückkehr zum Krieg hängt über der Zukunft des Landes. 2010 ist ein entscheidendes Jahr für den nepalesischen Friedensprozess, dennoch haben die politischen Parteien es nicht geschafft, die Frist für die Schaffung einer neuen Verfassung im Mai einzuhalten. Die Arbeit von YAPE bei der Konfliktlösung vor Ort spielt eine unschätzbare Rolle, politische Frustration nicht in gewalttätigen Aufruhr umschlagen zu lassen.
Im kommen Jahr plant YAPE, den RRF über Bezirk Kavre hinaus in die südliche Region von Terai und Bara auszudehnen – eine Region mit schätzungsweise noch 128 aktiven bewaffneten Gruppen. Um der gestiegenen Nachfrage nach ihren Diensten nachzukommen planen sie die Einrichtung einer Hotline-Nummer in den Bezirken Kavre und Bara, damit Menschen Gewalt auch aus den entferntesten Gebieten melden können. Es gibt viele Herausforderungen, aber mit ihrem Wissen und Kontakten sowie der Flexibilität, den der RRF bietet, ist YAPE in der einzigartigen Situation, Gewalt zu beenden bevor sie entsteht.
Helfen Sie YAPE da zu sein, wenn die Hilfe am meisten gebraucht wird – bitte spenden Sie noch heute.
Oct 2009 Toms Blog aus Nepal
Sobald ich Nepal angekommen war, musste ich meine Pläne ändern – was ich als eine Zeit der Freude und des Feierns erwartet hatte, da ich gegen Ende des Dehwali (Lichtfest) angekommen war, war zu einer Quelle ethnischer Spannungen geworden. Der Streit drehte sich um den Zeitpunkt des Festes, und da die Heftigkeit der Auseinandersetzung stieg, musste die Regierung einlenken und das Fest verlängern.
Da meine Tasche sich entschlossen hatte, irgendwo im Nahen Osten ein Pause einzulegen, war ich dankbar für den Extra-Tag, damit sie mich wieder einholen konnte. Mit meiner Tasche in der Hand und dem neuen Terminplan für das Delhwali-Fest ausgearbeitet, machten wir uns auf in den Kavre-Bezirk zwei Stunden außerhalb von Kathmandu, wo ich mich mit Bhoraj Timilsina vom Jugendbündnis für Frieden und Umwelt (YAPE) traf. Trotz zahlreicher Todesdrohungen und Angeboten lukrativerer Jobs in internationalen Nichtregierungsorganisationen in der Hauptstadt ist Bhoraj dem Kavre-Distrik seit über 12 Jahren treu. Er hat sich in der gesamten Gesellschaft Respekt erarbeitet, von den ärmsten Gemeinden bis hoch zu den Polizei- und Armeechefs. Indem er seine Aufmerksamkeit auf Menschenrechtsverletzungen der Vergangenheit und Konflikte der Gegenwart aufteilt, arbeitet Bhoraj mit YAPE daran, dem Kavre-Bezirk Stabilität zu bringen.
YAPE hat mehr konfliktbezogene Fragen behandelt, als sie zählen können und wo wir auch hingehen gibt es jemanden, der Bhoraj dankbar ist. Wir trafen einige Opfer des Konflikts, denen er geholfen hat – von einem früheren Kindersoldaten bis zu einem jüngsten Opfer der gewalttätigen Tamasaling-Zusammenstöße im vergangenen Juni. Die Geschichte, die mir am meisten im Gedächtnis blieb, ist die eines Vaters, der währende des Höhepunkts des Konflikts von Sicherheitskräften aus seinem Haus verschleppt und von 18 Kugeln getroffen wurde. Sein Körper wurde bei seiner Frau gefunden, die ein paar Monate später an Herzversagen starb. Die daraus entstandene Wut einer der Töchter des Mannes veranlasste sie, eines Tages zu verschwinden und sich den Maoisten anzuschließen. Tragischerweise wurde auch sie von Sicherheitskräften im Kampf getötet, als sie den Tod ihres Vaters zu rächen versuchte. Ihr Bruder sprach vom Zyklus der Gewalt, und der Verlust seiner Familie ist wohl der beste Beweis dafür.
Es herrscht bei weitem noch kein Frieden in Nepal; das Land wird immer noch konfrontiert mit den Herausforderungen politischer Differenzen, Jahren ideologischer Indoktrination, unerfüllten Versprechen und mindestens 13.000 von 32.000 bewaffneten Kadern, die noch im Dschungel vermutet werden. Zusammen mit der unvermeidlichen Wut als Erbe des Bürgerkriegs ist die Herausforderung riesig, aber Bhoraj ist, wie er schon bewiesen hat, kein Mann, der die Hoffnung aufgibt.
Tom Gillhespy
Leiter Internationale Programme
Sep 2009 YAPE dämpft Gewalt in Nepal
Ein jüngster Gewaltausbruch im Bezirk Kavre hätte verheerende Folgen haben können, als der Streit über ein Motorrad sich rasch über die ganze Stadt ausbreitete und zu gewalttätigen Rückwirkungen bei bewaffneten Kräften der Maoisten führte. Aber nach Todesdrohungen Maoistischer Funktionäre wandten sich die Bedrohten an den YAPE-Repräsentatnen Bhoraj und baten um seine Hilfe. Durch friedliche Intervention gelang es Bhoraj, die Sicherheit der Beteiligten zu garantieren und den Konflikt zu beruhigen, so dass die Gemeinde zu relativem Frieden zurückkehren konnte.
Was war passiert?
Kavre liegt in der zentralen, hügeligen Region Nepals, und eine der vorherrschenden ethnischen Gruppe dort sind die Tamang. Am Sonntag, den 7. Juni 2009 rief ein den Maoisten nah stehender Tamang-Interessenverband eine Ausgangssperre über den Bezirk aus und schloss so gewaltsam die Geschäfte. In der Stadt Banepa entschloss sich ein Bewohner, die Ausgangssperre zu ignorieren und fuhr mit seinem Motorrad aus – was gewalttätige Folgen hatte. Eine kleine Gruppe attackierte den Mann und setzte sein Motorrad in Brand. Der Nachwirkungen breiteten sich in Banepa aus und führten dazu, dass Einwohner von Tamang-Truppen angegriffen wurden, als sie durch die Stadt randalierten und Fahrzeuge anzündeten. Bürger von Banepa protestieren auf den Straßen, aber was als Protest begonnen hatte verwandelte sich in einen wütenden Mob von mehr als 1000 Menschen, unter denen auch Parteiaktivisten der Nepalesischen Kongresspartei und der Vereinigten Marxisten-Leninisten (UML) waren. Der Mob griff das Regionalbüro der Maoisten an, wobei Steine geworfen, Türen eingetreten und aus voller Lunge anti-Maoistische Parolen gebrüllt wurden.
Die Maoisten rächten sich mit Steinwürfen und ausgestoßenen Drohungen. Innerhalb von Minuten wurden ein Dutzend Einheimischer sowie vier Polizisten verletzt und Chaos brach aus, als die Menschen in alle Richtungen flohen. Gegen zwei Uhr nachmittags sah Banepa wie ein Kriegsgebiet aus, und in der Region breitete sich ein Gefühl der Furcht aus.
Am nächsten Tag versammelten sich bewaffnete Kräfte der Maoisten aus Kathmandu, und angeführt von regionalen Maoistenführern fielen sie in der Stadt ein. Ein Bewohner beschrieb ihren Einzug als ‚Siegesparade eines Kriegerkönigs auf einem Streitwagen’. Polizisten, die den Vormarsch stoppen wollten, wurden niedergeschlagen, wobei die Beamten Verletzungen durch Stöcke und Backsteine erlitten. Sechs weitere Polizisten wurden in ähnlicher Weise zusammengeschlagen, und mehr als 20 Einheimische wurden zu Boden geworfen als sie einschreiten wollten. Die Gewalt kulminierte in der Zerstörung des UML-Büros.
Nach der Zerstörung versammelten sich die Anhänger der Maoisten vor ihrem Parteibüro, und es wurde eine Liste mit 12 Namen vorgelesen, einige davon aus der Kongresspartei, einige aus der UML und einige Gemeindemitglieder. Es wurde der Befehl ausgegeben: ‚Zerbrecht ihnen nicht nur die Gliedmaßen, brecht ihnen das Rückgrat’
In Angst um ihr Leben wandten sich drei der 12 Benannten an Bhoraj, YAPEs örtlichen Koordinator, und baten ihn um Hilfe beim Schutz ihrer Sicherheit.
Bhoraj trat unverzüglich in Aktion und nutzte seine Kontakte auf höchster Ebene und sein Wissen um die örtliche Situation, um eine gewaltfreie Lösung für den Konflikt zu finden. Er begann damit, dass er den Fall der nationalen Menschenrechtskommission, dem UNHCR und der Nepalesischen Anwaltskammer berichtete, womit er die Situation an die Augen der Öffentlichkeit brachte und gewährleistete, dass jegliche weitere Gewalt belegt werden würde. Dann trat er in Verhandlung mit den Maoisten – keine leichte Aufgabe, da die anfängliche Stellungnahme ihrer lokalen Anführer andeutete, dass sie mehr um die Wahrung ihres Gesichts besorgt seien als um die Aufrechterhaltung des Friedens in der Region.
YAPE und andere lokale Menschenrechtsorganisationen arbeiteten unermüdlich daran, unter den internationalen Menschenrechtsorganisationen Aufmerksamkeit auf den Fall zu lenken und ihre Position dafür zu benutzen, Druck auf die Maoistenführer in Kathmandu auszuüben. Die Presse fing an, die Geschichte aufzugreifen http://www.reliefweb.int/rw/rwb.nsf/db900SID/MYAI-7ST5H3?OpenDocument [Englisch], und schließlich war Kathmandu gezwungen, Maßnahmen zur Beruhigung ihrer Bezirkstruppen zu ergreifen. Durch Bhorajs unnachgiebige Verhandlungen und die Zusammenarbeit mit lokalen und nationalen Menschenrechtsorganisationen wurde der gewalttätigste Konflikt dieses Sommers, der aus einem Streit zwischen Einheimischen und einem Tamang-Kader entstand, zu einer friedlichen Lösung gebracht.
Jul 2009 Schnellreaktionsfonds – gesammelte Erfahrungen
Das Konzept des Schnellreaktionsfonds (Rapid Response Fund, RRF) erkennt, dass in einer Konfliktsituation schnell gehandelt werden muss und Menschen vor Ort am besten wissen, wie und wo Geld ausgegeben werden muss. Mit diesem Gedanken wurde der RRF ins Leben gerufen, um örtliche Komitees mit Geld zu versorgen, das sie ohne vorherige Zustimmung eines Spenders ausgeben können. Dieser Ansatz vermeidet die Verzögerung, Mittel von Gebern aus Übersee zu beantragen, und gab Komitees, die aus gut informierten und fähigen Einheimischen bestanden, vollständige Entscheidungsbefugnis über Konfliktinterventionen.
Eine unabhängige Evaluation der Fonds wurde jetzt fertiggestellt, und insgesamt wurde der RRF als positive Intervention angesehen und der Hauptkritikpunkt ist weniger das Konzept selbst als vielmehr die Art und Weise, wie es gemanagt und vor allem protokolliert wurde. Es hat sich als schwierig in allen Fällen herausgestellt, die Einflüsse des RRF angemessen zu bestimmen, und viele Informationen gingen verloren. Somit wurde die wahre Wirkung und Aktivität des RRF in den Evaluierungen nicht immer wiedergegeben, und das muss in Zukunft angesprochen werden.
Nov 2008 KIRDARC Fallstudien
“Die Region Karnali ist eine der abgelegensten und ärmsten Nepals. Schwere Konflikte haben sie gefährlich hinter der nationalen Entwicklung zurückgelassen. Menschen verschwanden, wurden vertrieben, verhaftet und ermordet. KIRDAK-Initiativen über den Schnellreaktionsfond (RRF) von Peace Direct sind die Rettungsleine für Menschen, die von jeglichem Aspekt menschlicher Entwicklung ausgeschlossen sind und unter der ständigen Bedrohung von Gewalt leben.
Unterstützung von Konfliktopfern
RRF versorgt KIRDARC mit Mitteln, um unverzüglich auf die Bedürfnisse von Konfliktopfern einzugehen.
Munakali, eine 38jährige Binnenvertriebene, konnte durch RRF ihr Leben ändern: “Ich bin blind, vertrieben und wurde vergewaltigt. Ich hatte keine Hütte, Kleider oder Nahrung, aber ich hoffte arbeiten zu können, wenn mir nur jemand die Mittel dafür geben könnte.“ KIRDARC reagierte sofort und half nach einem Gemeindetreffen zur die größten Bedürfnisse Munakali festzustellen, dabei, eine kleine Teestube aufzubauen, die den Frieden fördert. Munakali sagt: „ Ich habe meine verlorene Familie gefunden. KIRDARC hat mein Leben verändert und jetzt bin ich in der Lage, den Frieden zu fördern und durch dieses Kleingewerbe Geld zu verdienen.“
Friedensgespräche
RRF-Mittel haben geholfen, Friedensforen ins Leben zu rufen und Mediatoren (peace talker) auszubilden. Es gibt jetzt 823 Mediatoren an der Basis, die Gemeinden helfen, Konflikte zu lösen bevor sie eskalieren. In Dharaphori wurden Menschen heftig geschlagen, wann immer sie sich für Frieden aussprachen. Das Training von KIRDARC half der 25jährigen Maita Buda, in einem jüngsten Streit über Feuerholz aus dem öffentlichen Wald zu vermitteln. Sie sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich etwas für den Frieden tun könnte, aber das KIRDARC-.Training hat mir geholfen, unseren eigenen Konflikt beizulegen. Die Gemeinde kann jetzt sehen, dass kollektive Kooperation positive Ergebnisse bringen kann. Jetzt brauchen wir keine dritte Partei mehr, die sich in unsere eigenen Probleme einmischt.“ Gemeinden haben jetzt ein Gefühl für Eigenverantwortung und erkennen, dass sie etwas für den Frieden tun müssen.
Den Stummen eine Stimme geben
Gorkha Thapa war so von der Arbeit des RRF inspiriert, dass er jetzt KIRDARC-Initiativen über seine Sendung im Gemeinschaftsradio Karnali FM sendet. Das Programm „Shanto Bhas“ ermutigt andere, für den Frieden zu arbeiten, erzieht und informiert. Schätzungweise 432 Personen aus der Gemeinde haben ihre Stimme gesendet und Informationen über den gewalttätigen Konflikt in ihrem jeweiligen Gebiet geliefert.
Konflikt der Kasten
RRF ist es gewohnt, in Spannungsgebieten einzugreifen. Im Bezirk Jumla drohte Gewalt, nachdem jemand aus einer niedrigen Kaste Wasser aus einem öffentlichen Hahn für Angehörige höherer Kasten getrunken hatte. Die Friedensarbeiter von KIRDARC verbrachten zwei Tage mit der Gemeinde, um beide Parteien davon zu überzeugen, die Menschenwürde zu beachten und keine gegenseitige Gewalt anzuwenden.
KIRDARC-Initiativen haben mit Hilfe der RRF von Peace Direct Konfliktgruppen ermöglicht, dem Frieden ohne Gewalt näher zu kommen, erhöhen die Dialogbereitschaft zur Konfliktlösung, bieten Wissen, um ihr Leben zu ändern. Mit der Absicht, Frieden an der Basis zu fördern, werden langfristige RRF erstrebt, um die vom Konflikt betroffenen Gemeinden zu motivieren und befähigen.
Min Shahi
Direktor, KIRDARC”


