Umfrage als Herausforderung für Hilfsorganisationen März 2011

Internationale Hilfsorganisationen sehen sich heute durch eine Umfrage bei über 1.000 ihrer Partner in Entwicklungsländern neuen Herausforderungen gegenüber, da diese nach mehr Kontrolle über die Lösung der Probleme ihrer Länder streben.

Die bahnbrechende Umfrage misst die Leistungen internationaler Hilfsorganisationen anhand der Auffassung der Organisationen, die von ihnen in Entwicklungsländern finanziert werden. Wichtigste Erkenntnis ist, dass diese einheimischen Organisationen das aktuelle Modell internationaler Hilfsprogramme ablehnen, welches sie meist als Zulieferer für die Implementierung von Plänen der internationalen Gemeinschaft abspeist. Stattdessen streben sie danach, mit Unterstützung – nicht Kontrolle – von Außen ihre eigenen Programme, zu leiten. Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier (auf Englisch).
Die besten Ergebnisse unter den Organisationen konnte Peace Direct verzeichnen, die einheimische Organisationen in Konfliktzonen rund um den Globus darin unterstützen, ihre eigenen Konfliktlösungsprogramme zu leiten. Dies ist ein radikaler Ansatz, welcher  für Peace Direct zu einer Bewertung als beste Organisation in 6 von 7 Umfragekategorien führte.

Carolyn Hayman, Geschäftführerin von Peace Direct in London, sagte dazu:

„Dieser Bericht stellt eine Herausforderung an alle Hilfsorganisationen dar, denn es zeigt, dass Menschen in Entwicklungsländern nicht länger passive Empfänger westlicher Gelder sein möchten – Sie wollen ihre eigenen Entwicklungsprogramme leiten und eigene Lösungen für ihre Probleme finden.“

„Dies ist ein Ansatz, den Peace Direct in Pionierarbeit mit einheimischen friedensfördernden Organisationen weltweit verfolgt, und gleichzeitig der Grund dafür, dass Peace Direct mit Bestergebnissen aus dieser Umfrage hervorgeht. Wir glauben, dass dies die Zukunft von Hilfsprogrammen sein könnte.“

Die Umfrage weist außerdem auf die Effektivität der Ermächtigung einheimischer Hilfsorganisationen hin. Der offizielle Bericht schließt daraus:

„Nichtregierungsorganisationen (NROs) schaffen den größten Mehrwert für Organisationen aus Entwicklungsländern, wenn sie letztere als ebenbürtige Partner behandeln statt als Ausführungsorgane oder Unterauftragnehmer. Obwohl Organisationen aus Entwicklungsländern häufig als ‚Partner’ bezeichnet werden weisen die Daten darauf hin, dass viele von ihnen in ungleichen Beziehungen sind, nur begrenztes Vertrauen in das Verständnis und die Fähigkeiten von NROs haben und sich nicht als Teil einer respektvollen Zusammenarbeit sehen. Oder wie die Sprache, die häufig in diesem Sektor gebraucht wird, suggeriert: Wenn NROs ‚durch’ Organisationen in Entwicklungsländern statt ‚mit“ ihnen arbeiten.“

Diese Umfrage stellt die erste ihrer Art dar, welche die Sicht der Nutznießer als Indikator für die Effektivität von Hilfsorganisationen verwendet. In der Umfrage sind große Namen wie Save the Children und Christian Aid vertreten. Durchgeführt wurde das Projekt von dem unabhängigen Forschungsunternehmen Keystone Accountability. 1.067 Organisationen aus Entwicklungsländern nahmen an der Umfrage teil, welche am 12. Januar 2011 publiziert wurde.

Jeder NRO wurde ein vertraulicher Bericht mit den eigenen Ergebnissen und Kommentaren in der Umfrage zugesandt. Den für Peace Direct finden Sie hier (auf Englisch).

Unsere Antwort finden sie hier (ebenfalls auf Englisch). In Übereinstimmung mit der Sichtweise unserer Partner wird Peace Direct einige Verbesserungen vornehmen.